Goetheturm: Hinrichtung eines Wahrzeichens

Brandserie wirft viele Fragen auf

BFF-Fraktion - Stellungnahme 75-17

Auch vor der endgültigen Klärung der Ursache, die zur Vernichtung des Goetheturms führte, gibt es wenig Zweifel an einem Verbrechen. Und es gibt leider auch wenig Zweifel daran, dass der Brandanschlag auf eines populärsten Wahrzeichen Frankfurts im Zusammenhang mit den nächtlichen Brandanschlägen im Juni und Juli auf Pavillons im Koreanischen und Chinesischen Garten stehen dürfte. Überhaupt kein Zweifel gibt es daran: In allen Fällen waren nicht nur Gebäude das Ziel, sondern ganz speziell Kulturgüter, die unzählige Menschen erfreuten und diesen ans Herz gewachsen waren. Die Notwendigkeit, die Motive der Taten zu klären und selbstverständlich auch den oder die Täter zu fassen, ist nicht weniger vorrangig als der schon allseits geforderte Wiederaufbau des Goetheturms.

Nach dem Geschehen in der Nacht zum 12. Oktober 2017 ist deutlich geworden, dass über die Brandanschläge auf die Pavillons im Grüneburgpark und im Bethmannpark zu schnell zur Tagesordnung übergegangen worden ist. Waren diese Verbrechen schon abscheulich genug, ist mit dem Goetheturm ein 86-jähriges Wahrzeichen der Stadt mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich und gezielt regelrecht hingerichtet worden. Selbstverständlich kann es sich stets um die Untaten von Pyromanen mit großer krimineller Energie gehandelt haben, ob nun eines Einzeltäters oder, eher unwahrscheinlich, mehreren Tätern.

Die Auswahl der Anschlagsobjekte drängt aber auch andere Vermutungen auf: Mit den asiatischen Pavillons und ganz besonders dem Goetheturm sollte demonstriert werden, dass nichts sicher ist, was schön, emotional besetzt und populär ist. Da sowohl links- wie rechtsextremistische Tätermotive ziemlich gewiss ausgeschlossen werden können, ist bei den Ermittlungen ein möglicher terroristischer Hintergrund keineswegs auszuschließen. Auch wenn es glücklicherweise in keinem Fall zu Personenschäden kam, ist die vollständige Aufklärung der Verbrechen von größter Bedeutung für das Sicherheitsgefühl und die kulturelle Identität der Menschen in Frankfurt.

Völlig daneben waren erste Kommentare der beiden CDU-Magistratsmitglieder und Dezernenten Frank und Schneider. Frank kündigte zwar ebenso wie Oberbürgermeister Feldmann den Wiederaufbau des Goetheturms an, ließ aber bereits anklingen, dieser werde anders als das nun niedergebrannte Original aussehen. Woher will er das so schnell wissen? Und Schneider blamierte sich mit dem politisch überkorrekten Hinweis, der Goetheturm mit seinen 196 Stufen sei nicht „barrierefrei“ gewesen. Schneider sei darauf hingewiesen: Auch der Aufstieg zum Domturm ist nicht barrierefrei, aber bislang noch erlaubt. Die Schnellschüsse der CDU-Politiker lassen schon mit einigem Grausen ahnen, was bei der künftigen Wiederaufbau-Diskussion bevorstehen könnte. Noch aber ist der Schock in Frankfurt groß, noch aber gilt es den oder die Täter zu fassen und hart zu verurteilen.