Wirklich kein Platz für „Heidi“ in Frankfurt?

Magistrat hält öffentlichen Raum bereits für überfüllt

Einen Platz für ein „Heidi“-Denkmal in der Frankfurter Innenstadt hatten die "Bürger Für Frankfurt" im August gefordert. Schließlich hat die weltberühmte Romanfigur von Johanna Spyri dafür gesorgt, dass Frankfurt auf literarischem Weg weltweit wurde. Der Ortsbeirat 1 fand die Idee gut und unterstützte den Antrag.

Nur die "Grünen" gaben die Spielverderber und wetterten dagegen. Nun kam die Antwort des Magistrats, dessen geistige Führung bekanntlich bei den "Grünen" liegt.

Die schwarz-rot-grüne Koalition möchte nicht an Heidi erinnern. Heidi ist ihr einfach zu "grün". Die "Heidi"-Romane würden nämlich nicht zur städtischen Identität passen, weil in ihnen ein negatives Bild von Frankfurt gezeichnet würde. "Mit ihnen hat die Schweizer Autorin Johanna Spyri vor allem ein romantisches, idealtypisches Bild der Schweiz geschaffen, zu dem Frankfurt kontrastiv in schlechtem Licht dasteht: als krankmachende Großstadt."

Zudem sei ja "der öffentliche Raum (...) in Ballungszentren und Großstädten wie Frankfurt ein rares Gut. Eine ressourcensparende Gestaltung von Plätzen und Orten, die für die Bewohner umfassende Lebens- und Aufenthaltsqualität schafft, steht hierbei im Fokus. Das Schwinden und der Wandel öffentlicher Räume drängen zu einem achtsamen Umgang mit den wenigen zur Verfügung stehenden Freiflächen. Eine wohlüberlegte Platzierung von Denkmäler, Brunnen oder Kunstwerken gehört dazu."

Und schließlich beendet der Magistrat seine Ablehnung mit folgender Planung: "Zu berücksichtigen ist auch die Tatsache, dass das Kulturamt bei der zunehmenden Zahl der Wünsche nach Denkmälern und Kunstobjekten für den öffentlichen Raum Prioritäten setzen muss. Aktuell liegen diese bei überregional relevanten Themen, die der Aufarbeitung der Ereignisse in Frankfurt zur Zeit des Nationalsozialismus und der Nachkriegsgeschichte dienen."

Verstanden. Heidi macht Frankfurt irgendwie mies. Sie stellt die Stadt in schlechtem Licht dar. Heißt das im Umkehrschluss, die vom Magistrat geförderte Erinnerung an die NS-Verbrechen schafft demnach gute Laune und Identifikationsangebote? Frankfurt verfügt derzeit jedenfalls über 100 Gedenkorte zur NS-Zeit, weitere sollen folgen. Die Erinnerung an die Schrecken jener Jahre ist richtig. Aber ist deshalb nun das Kulturamt überfordert, wenn ein einziges Heidi-Denkmal aufgestellt werden soll? Ist deshalb jetzt gar kein Platz mehr vorhanden?

Nun der öffentliche Raum in Frankfurt ist rar, er ist im Schwinden, deshalb muss –so der Magistrat - mit Platzressourcen gespart werden. Überall sieht man vollgestellte, enge Plätze in Frankfurt, auf denen Passanten schon über die dort allzu zahlreich aufgestellten Denkmäler stolpern. Wo könnte da auch noch eine „Heidi“-Figur hinpassen?

Marlis Lichtjahr