Wachstum um jeden Preis trotz Klimawandel

Frankfurt immer voller: Kein Grund zum Feiern

Vor einigen Tagen hatte der Magistrat zu einem ganz besonderen Anlass eingeladen: Gefeiert wurde, dass Frankfurt nun 750.000 Einwohner hat und weiter wächst, wenngleich allerdings nicht an Fläche. Dazu passt die Nachricht von der hohen Zahl der im vergangenen Jahr 2018 erteilten Baugenehmigungen innerhalb der Stadtgrenzen; es sind nicht weniger als 7326 Wohnungen. Viele dieser Baugenehmigungen wurden und werden für bereits sehr hoch verdichtete Bereiche Frankfurts erteilt.

Das ist in Zeiten des Klimawandels und in Erinnerung an den letzten extrem heißen Sommer nicht unbedingt eine gute Nachricht. Denn nur weniger als zehn Prozent der Baugenehmigungen, exakt 433, wurden für den relativ problemlosen Ausbau von Dachgeschossen und die Aufstockung von Gebäuden erteilt. Der viel größere Anteil beim Bau von neuen Wohnungen ist mit der Versiegelung von Böden, dem noch engeren Zusammenrücken von Gebäuden und dem Verlust von Frei- und Grünflächen verbunden. All das ist jedoch genau das, was dem Mikroklima in der Stadt nicht nutzt, sondern schadet.

Damit nicht genug, wollen Oberbürgermeister Feldmann („Jeder kann Frankfurter werden“) und Planungsdezernent und SPD-Vorsitzender Josef (Vorantreiber des geplanten neuer Stadtteils „Josefstadt“) neben der Nachverdichtung auch die Außenentwicklung am Rande der Großstadt weiter fortsetzen. Dass torpediert jedoch jede Anstrengung, das Frankfurter Mikroklima wenigstens nicht weiter zu belasten. Allerdings schert das die beiden „Bauen, bauen“-Politiker überhaupt nicht.

Befremdlicher als das ist allerdings die gar nicht so klammheimliche Zustimmung der Grünen zu alldem. Dabei widerspricht die hohe Verdichtung, massive Versiegelung und Verlust von Freiflächen allen grünen Verlautbarungen über den Klimawandel. Auch die ohnehin in politischer Dauernarkose befindliche Frankfurter CDU lässt Feldmann und Josef nicht nur gewähren, sondern feiert brav die schon längst spürbare infrastrukturelle, soziale und finanzielle Überlastung der Stadt mit. Und die FDP samt ihrer besserverdienenden Klientel wittert gute Geschäfte mit Bauen und Vermieten.

Offenbar sind es allein die Bürger Für Frankfurt – BFF, die als unabhängige und parteifreie Kraft im Römer und den Ortsbeiräten dazu drängen, die notwendigen Grenzen des Einwohnerwachstums in Frankfurt zu beachten. Denn es löst kein Problem, sondern schafft nur viele neue, wenn bald 800.000 und mehr Menschen innerhalb der Stadtgrenzen leben werden. Und es ist nur Demagogie, wenn Feldmann und Josef vielen wohnungssuchenden und von steigenden Mieten belasteten Einwohnern aufschwätzen wollen, die Umwandlung Frankfurts in ein Hongkong am Main würde ihre Nöte beseitigen. Wer Wachstum um jeden Preis will, muss einen hohen Preis bezahlen. Und den werden dann alle Frankfurter zahlen müssen.